Vier Radwanderwege zu schönen Kirchen und anderen Sehenswürdigkeiten rund um Neuenkirchen
Alle Wege beginnen in Neuenkirchen. Hier hatten Sie sicher schon Gelegenheit, die markantesten Punkte des Ortes zu entdecken: Die St. Bartholomäus-Kirche aus dem Jahr 1880, den Schroershof mit seinem Gebäudeensemble oder die Kunstgalerie Springhornhof. Ebenso besuchenswert sind der Schäferhof mit seinen reetgedeckten Stallungen, dem Heide-Erlebnispfad und naturkundlichen Ausstellungen im Heidehaus. Nehmen Sie sich ruhig Zeit, all diese Sehenswürdigkeiten aufzusuchen!
1.Tour: Eine Moorkolonie, viel Wald und ein altes Kurbad
Auf einer der schönsten Straßen der Region beginnen Sie diesen Rundweg: Die Herteler Straße, von Kastanien gesäumt, führt an alten Bauernhäusern vorbei in die freie Natur mit Wiesen und Weiden nach Hertel mit seinen drei Hofstellen. Ihr Weg führt Sie weiter an Fischteichen vorbei in Richtung Rutenmühle; die Mühle aus dem 18. Jahrhundert mahlt schon lange nicht mehr, statt dessen können Sie jedoch hier von Ihrem Fahrrad auf ein Isländerpferd wechseln, sollte Ihnen danach zumute sein. Oder Sie beobachten die Graureiher. Und ganz in der Nähe befindet sich das „Elefantenhaus“, eines von vielen Kunstobjekten um Neuenkirchen.
Moordorf ist Ihre nächste Etappe, gegründet 1780 als Moorkolonie mit zehn Hofstellen. Man kann sich heute nur noch schwer vorstellen, wie hart das Leben der Moorkolonisten gewesen ist.
Weiter geht es über Bellen durch den Trocheler Forst mit seinen wertvollen Fließgewässern, vorbei am Forsthaus Trochel, erbaut an der Stelle eines ehemaligen Gutshofes, nach Brockel. Hier können Sie die 200jährige Heilig-Kreuz-Kirche besichtigen, die durch ihre Feldsteinmauern beeindruckt. Dorfladen, Windmühle, alte Bauernhäuser, das sind weitere Punkte, die Sie besuchen sollten.
Sie fahren nun nach Bothel und biegen hier auf den fast schnur-geraden Radweg nach Wittorf ein. Dabei radeln Sie auf der ehemaligen Eisenbahnstrecke Rotenburg – Visselhövede, schon seit vielen Jahren als bequemer Radweg hergerichtet. In Wittorf dürfen Sie auf keinen Fall einen Besuch in der Fachwerkkapelle versäumen, die sich Ihnen frisch renoviert zeigt – ein Kleinod, allerdings müssen Sie sich den Schlüssel besorgen.
Sie radeln nun in das Landstädtchen Visselhövede. Die St. Johannis-Kirche (Bild rechts) mit ihrem frei stehenden Glockenturm ist im Inneren durch unterschiedliche Stilepochen geprägt, besonders hervorzuheben ist das gotische Deckengemälde im Altarraum. Direkt neben der Kirche sprudelt die Visselquelle, nicht zu verwechseln mit dem Naherholungsgebiet „Visselsee“.
Hiddingen erreichen Sie nun: Dieses heute eher unscheinbare Dorf war von 1819 bis 1842 Kurbad, das mit seinen Heilquellen Gicht- und Rheumakranken Genesung bot. Sieben Gaststätten, fünf Tanzsäle und eine Kurkapelle waren für die Gäste da, wohl nicht ausschließlich zur Genesung... Über Hartböhn mit seinem alten Honigspeicher führt Sie der Weg vorbei an der „Weißen Treppe“, einem Kunstobjekt des Springhornhofes, und bald sind Sie wieder in Neuenkirchen. (Ca. 45 km)
2.Tour: Stichter See, Heide und Schnucken
Verlassen Sie Neuenkirchen in Richtung Südwesten, schauen Sie sich die niedersächsische Hofanlage des Holtmannshofes von 1684 an und machen Sie einen kurzen Abstecher zum Stichter See, diesem flachen Moorsee. Auch hier begegnen Ihnen mitten in der Natur Kunstobjekte der Galerie „Springhornhof“. Wenn Sie mögen, statten Sie dem alten Bauerndorf Behningen einen Besuch ab, auf jeden Fall erreichen Sie über Frielingen das Dorf Woltem. Dies ist nun nach dem Stand der Urkunden die älteste Siedlung der Region, eine Streusiedlung an der Bomlitz gelegen, wo Sie etwas abseits im „Rehwinkel“ einen wunderschönen Platz für eine Pause finden. Weiter führt Sie Ihr Weg nach Bommelsen; „Kaffeestuv“ und Friedenskirche von 1930 laden hier zum Besuch ein.
Über Riepe kommen Sie nach Dorfmark mit seinem wirklich schönen Ortskern, dem Bürgerpark und der Kirche. Wer will, kann hier auf der Böhme paddeln, ein Vergnügen ganz besonderer Art.
Von Mengebostel empfiehlt sich ein Abstecher nach Wense mit seiner hübschen Gutskapelle -hier müssen Sie sich den Schlüssel besorgen!-, bevor Sie über Meinern, Weißenkamp, Barmbruch und Leitzingen die Riensheide erreichen. Noch vor 200 Jahren bot sich hier dem Auge eine fast unendlich erscheinende Heidefläche, teils sogar feucht und moorig. Trotz aller Aufforstungen und Kultivierungen ist auch heute noch ein Teil dieser Kulturlandschaft erhalten und unter Schutz gestellt, so dass sich Besen- und Glockenheide ausbreiten können.
Ihre Ankunft in Neuenkirchen sollten Sie so planen, dass Sie am Schäferhof den täglichen Eintrieb der hiesigen Schnuckenherde erleben können. (Ca. 42 km)
3.Tour: Eine kleine Backsteinkirche, Ahlftener Flatt und jede Menge Badespaß
Sie verlassen Neuenkirchen über Delmsen, wenden sich dann nach Osten, fahren an den Windrädern vorbei durch Reimerdingen nach Wolterdingen. Mitten im Dorf lädt Sie die uralte kleine Kirche zum Besuch und zur Andacht ein. Diese gotische Backsteinkirche mit frei stehendem Glockenturm wurde schon 1396 urkundlich erwähnt, der Altar verdient besondere Beachtung. Im Ort finden Sie auch die historische Zehntscheune, doch hat auch die jüngste Vergangenheit ihre Spuren hinterlassen: Wohnbaracken eines SA-Lagers und eine Kriegsgräberstätte stimmen doch sehr nachdenklich. Wählen Sie nun den Weg, der gegenüber der Kirche nach Ahlften führt. Hier ist das „Ahlftener Flatt“ sehenswert, ein typischer Heidesee mit üppiger Vegetation.
Baden können Sie in Soltau, in der dortigen Therme, nachdem Sie vorher den beiden großen Gotteshäusern, der Johanniskirche und der Lutherkirche, einen Besuch abgestattet haben. Altes Rathaus, Museum Soltau, Spielzeugmuseum, Böhmepark und -wald – das alles ist in Soltau sehenswert, nehmen Sie sich die Zeit!
Durch den Kuhbachforst, das Soltauer Naherholungsgebiet, radeln Sie dann nach Wiedingen. Sie möchten zwischendurch reiten? Dann machen Sie einen Abstecher zum Menkenhof mit seiner imposanten Lindenallee. Über Falshorn und die Riensheide (siehe 2. Tour) erreichen Sie am Steingarten vorbei wieder Neuenkirchen. (Ca. 30 km)
4.Tour:Windmühle, EXPO-Kirche und ein langer Holzsteg
Wieder fahren Sie über Delmsen, halten sich dann aber in nördlicher Richtung und erreichen bald Schwalingen mit seinen alten Bauernhäusern. Heute erscheint es uns als Idylle, doch noch vor 100 Jahren herrschte hier Not: Die Höfe konnten nicht alle Menschen ernähren, und so sind viele von hier nach Amerika (Nebraska) ausgewandert. Sprengel erreichen Sie dann, schon von weitem grüßt die fast 19 m hohe Windmühle, die noch heute ein funktionsfähiges Mahlwerk hat. Die Mühle können Sie im Sommer besichtigen, auch beim Mühlenfest sind Sie willkommen.
Bergab geht es über Königshof auf wunderschönem Weg nach Schülernbrockhof, weiter über Voigten nach Schneverdingen. Mitten im Ort die Peter-und-Paul-Kirche, ein Barockbau, 1745 begonnen mit dem in dieser Gegend oft zu findenden Kanzelaltar. An der Straße nach Heber finden Sie die Eine-Welt-Kirche der Markusgemeinde, eine Holzkirche erbaut als EXPO-Projekt nach neuesten ökologischen Kriterien (Bild rechts). Im Inneren fällt der Eine-Erde-Altar sofort ins Auge, hier werden Erdspenden aus aller Welt gesammelt. Nicht nur diese Kirchen, auch der Theeshof, der Heidegarten, der Höpen mit seiner Heidelandschaft machen Schneverdingen sehenswert.
Direkt am Stadtrand an der Heberer Straße beginnt rechter Hand das Pietzmoor, eine Hochmoorfläche, die in den letzten Jahrzehnten renaturiert wurde, mit Erfolg, wie Sie sehen können. Durchs Moor führt ein etwa einstündiger Rundweg auf einem Holzsteg, den erledigen Sie am besten zu Fuß!
Auf der anderen Straßenseite können Sie durch die Osterheide radeln. Wo 50 Jahre lang die Panzer der britischen und kanadischen Soldaten rollten, erobert sich nun wieder die Natur ihr Terrain, sorgsam unterstützt durch fachkundige Helfer, auch aus der Naturschutzakademie im nahen Hof Möhr und vom „Verein Naturschutzpark“.
Ihren Ausgangsort Neuenkirchen erreichen Sie von hier aus am besten über Wieckhorst, Schülern, Vahlzen und Delmsen auf bequemen Wegen durch die abwechslungsreiche Landschaft. (Ca. 36 km)
Text: P. Christoph Meyer, Langwedel
Bilder: Harold Müller, Lübberstedt
Das Befahren aller Wege geschieht auf eigene Gefahr, eine Gewähr für den Zustand der Wege kann vom Herausgeber nicht gegeben werden. Die Benutzung einer guten Karte wird empfohlen, Verkehrsverein und Buchhandlungen beraten Sie gerne.